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Pflanze des Monats

Fedtschenkos Rose (Rosa fedtschenkoana)

Rosen! Üppige Blüte, Duft, Schönheit, Eleganz... und dann steht da sowas: Zu hoch, zu breit, ausläufertreibend, von sparrigem Wuchs und mit unzähligen Stacheln bewehrt eignet sich Fedtschenkos Rose kaum für den Garten. Kaltweisse Blüten und graugrünes Laub tragen zur spröden Erscheinung bei. Und der Duft? Fehlanzeige. Sie riecht unangenehm und gar nicht rosenhaft.

Ihr Name ist sperrig. Fedtschenkos Rose wurde vor etwa hundertfünfzig Jahren von einer jungen russischen Botanikerin in Zentralasien entdeckt und später ihr zu Ehren benannt. Olga Alexandrowna Fedtschenko reiste mit ihrem Mann, auch Naturwissenschaftler, 1872 nach Deutschland und in die Schweiz, im selben Jahr kam ihr Sohn zur Welt, ein Jahr später starb ihr Mann am Montblanc, als er einen Gletscher erforschte. Er wurde nicht einmal dreissig Jahre alt. Frau Fedtschenko führte ihre botanische Arbeit weiter, zusammen mit ihrem Sohn, der ebenfalls Botaniker wurde. Sie legte einen Garten an, dieser wurde zerstört, sie starb im selben Jahr... Pflanzennamen können Geschichten erzählen.

Fedtschenkos Rose hat zwei herausragende Eigenschaften. Durch ihre zentralasiatische Herkunft ist sie sehr frosthart, bis minus 35 Grad. Und sie blüht spärlich, aber den ganzen Sommer lang, im Gegensatz zu den meisten anderen Rosenarten. Bei den wenigen Damaszenerrosen, die öfter blühen, hat man Gene von Rosa fedtschenkoana gefunden, welche verantwortlich sind für die lange Blüte. Aber nicht für den Geruch: Damaszenerrosen duften hinreissend!

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Pflanze des Monats

Kletterrose 'Madame Alfred Carrière' (Rosa 'Madame Alfred Carrière')

Wenn Mrs. Anthony Waterer, Frau Karl Druschki und Madame Alfred Carrière beisammen stehen, handelt es sich nicht etwa um Genderwirren, sondern um alte Rosen. Sie wurden allesamt nach Frauen benannt, welchen ihrerseits der Name des Gatten übergestülpt wurde; damals scheint man bei der Heirat nicht nur den Nachnamen verloren zu haben.

'Madame Alfred Carrière' ist eine alte Rosendame und wurde schon 1879 in Frankreich gezüchtet. Trotz ihres hohen Alters von mittlerweile hundertvierzig Jahren ist sie gesund und vital. Der erste Blütenschwall öffnet sich im Mai und duftet hinreissend. Danach muss sie sich erst ein wenig erholen, blüht aber im Sommer immer wieder nach. Sie klettert fünf Meter hoch, eignet sich für halbschattige Nordwände und muss kaum geschnitten werden.

Natürlich hat sie auch ihre Fehler. Sie ist etwas anfällig auf Mehltau, und ihre Winterhärte ist eher suboptimal. Im wintermilden Basel ist das meistens kein Problem. Meistens, aber nicht immer: In den eiskalten Januarnächten 2012 fror sie vollständig zurück, trieb im Frühjahr danach zu unserer Freude kräftig aus und ist seither schöner denn je. Und das in ihrem Alter!

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Pflanze des Monats

Geschwänzte Haselwurz (Asarum caudatum)

Jetzt ist Frühling! Rhododendren, Tulpen und Flieder werfen mit Farben nur so um sich. Alles blüht. Alles? Nein! Ein kleines, unscheinbares Pflänzchen scheint sich dem alljährlichen Farbenirrsinn zu verweigern. Jahrein, jahraus produziert es nur Laub. Aber was für eins! Glänzend, grün und schön geformt deckt es den Waldboden noch im tiefen Schatten. In geschützten Lagen wirkt es den ganzen Winter durch sehr ansprechend und wenn man daran reibt, verströmt es einen würzigen Duft.

Die geschwänzte Haselwurz stammt aus den feuchten Nadelwäldern Nordamerikas. Unserer europäischen Art ähnelt sie, wächst aber viel schneller und bildet grosse Matten. Sie liebt humosen, nicht zu trockenen Boden und verträgt unsere Winter problemlos.

Und von wegen nur Laub… wenn Sie ganz vorsichtig ein paar Blätter zur Seite schieben, finden Sie darunter das grosse Geheimnis dieser kleinen Pflanze: Eigenartig geformte, rotbraune Blüten, jede mit drei Mäuseschwänzchen und von filigraner Schönheit. Und während Rhododendren, Tulpen und Flieder ihre Fortpflanzung mit grossem Trara zelebrieren, erledigt das die Haselwurz diskret im Verborgenen.

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Pflanze des Monats

Mandelbaum (Prunus dulcis)

Es gibt vernünftige Gründe, keinen Mandelbaum zu pflanzen: Er wächst nur im Weinbauklima, liebt heisse Sommer und mildfeuchte Winter. Bei starkem Frost leidet der Fruchtansatz. Falls nicht, entwickeln sich Früchte, die an vergammelte Aprikosen erinnern. Es gibt verschiedene Sorten, doch die meisten lassen sich kaum knacken, und bittere Mandeln sind giftig. Am besten geeignet sind sogenannte Krachmandeln. Der Name kommt nicht etwa vom Krach beim Öffnen der Schale, sondern bezeichnet Varietäten, welche leicht zu knacken sind.

Ist die Mandel endlich befreit, freut sich der Mensch. Sie schmeckt wunderbar, ist gesund und lässt sich vielfältig verwenden. Hätte sie einen exotisch klingenden Namen wie Chia oder Quinoa, würde sie im Internet von Inflünzern als Superfood gefeiert. Man kann sie essen, backen, zu Öl, Milch oder Paste verarbeiten oder als Schmiermittel sowie zur Körperpflege verwenden.

Mandelbäume stammen aus Südwestasien, werden seit Jahrtausenden genutzt und wurden von den Römern (die genau wussten, was gut ist) nach Europa gebracht, zusammen mit dem Wein. Inzwischen werden Mandeln in vielen Weltgegenden angebaut, was mancherorts durch den hohen Wasserbedarf zum Problem wird. In Anbaugebieten wie zum Beispiel in der Pfalz zieht die Mandelblüte jedes Jahr viele Besucher an. Wenn sich die Knospen öffnen, ist das immer wieder eine grosse Freude. Die unglaublich schöne Blüte ist vielleicht kein vernünftiger, aber ein guter Grund, auch im eigenen Garten ein Mandelbäumchen zu pflanzen. Wenn man dann später ein paar Mandeln ernten kann: Umso besser!

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Pflanze des Monats

Hasel (Corylus avellana)

Sie symbolisiert glückhaften Beginn und Frühling, dazu Wunscherfüllung, Fruchtbar- und Unsterblichkeit: Die Hasel ist ein wahrer Tausendsassa. Im Mittelalter glaubte man, mit ihrer Hilfe Schlangen und Hexen abwehren zu können, was zumindest teilweise erfolgreich war, denn wo die Hasel wächst, gibt es keine Hexen. Ihre vielgepriesene Ableitung von Erdstrahlen und Wasseradern funktioniert gleichermassen, nur der erhoffte Schutz vor Blitzen scheint sich bislang nicht zu bestätigen.

Viele Tiere und Pilze leben von Laub und Holz der Haselsträucher. Die Nüsse sind ein gefundenes Fressen für Käferlarven, Vögel, Mäuse, Eichhörnchen und Menschen. Ob roh oder geröstet, in Kuchen, Pralinen und Schokolade: Nüsse machen glücklich! Aber anstatt dieser wunderbaren Pflanze den nötigen Respekt zu zollen, quetscht man sie zu mehreren in finstere Gartenecken, verkrüppelt sie sinnlos mit der Kettensäge und schimpft über das hässliche Gestrüpp.

Gibt man ihr stattdessen einen passenden Platz im Garten, wird sie nach Jahrzehnten zu einer prächtigen, wenn auch stammlosen Baumkrone. Im Spätwinter erscheinen daran hübsche Würstchen, die männlichen Blüten, welche trotz ihrer schuppigen Wurmform 'Kätzchen' heissen. Die unauffälligen weiblichen Blüten hingegen nimmt man kaum wahr: Aus einigen Knospen ragen winzige rote Fäden, aus denen sich später die Haselnüsse entwickeln.

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Pflanze des Monats

Fleischbeere (Sarcococca confusa)

Botaniker haben manchmal keinen Sinn für Poesie, und dann musswieder ein wunderschönes Gewächs unter einem hässlichen Namen leiden: Sarcococca heisst Fleischbeere, und die alternative Benennung Schleimbeere ist auch nicht besser. Ihr Artname confusa (durcheinander, unordentlich, zusammengemischt) spielt zwar nur auf Probleme bei der Bestimmung an, ist aber nicht besonders attraktiv. Doch auch üble Namen haben ihre Vorteile: Weder lassen sie Appetit auf die giftigen Früchte aufkommen noch wecken sie grosse Erwartungen.

Dabei hätte die Fleischbeere diese verdient: Das Laub! Immergrün, gesund, glänzend und dicht. Der Wuchs! Kompakt, üppig, sich langsam ausbreitend. Die Blü… - ach nein, diese kleinen, weisslichen Blüten reissen einen nicht wirklich vom Hocker, jedenfalls nicht bei Minustemperaturen. Immerhin schaffen sie es, im Winter zu blühen. Und an wärmeren Tagen überraschen sie uns mit ihrem wunderbaren Honigduft. Da lohnt sich jede Kniebeuge!

Diese bescheidene Duftpflanze wächst gern im Halbschatten, liebt kalkhaltigen Boden und verträgt im Vorfrühling auch mal einen Schnitt. Eigentlich sollte man sie viel öfter pflanzen, doch es lauern Gefahren: Starken Frost und kalte Winde mag sie nicht. Da die Fleischbeere mit dem Buchs nahe verwandt ist, könnte sie von dessen Zünsler und Pilz befallen werden, scheint aber nicht ganz so anfällig wie dieser zu sein. Somit wird sie uns hoffentlich noch lange die Winter versüssen.

Aufgrund von Kälte und Dunkelheit bleibt die Pflanze des Monats Dezember frisch bis Ende Januar.

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Pflanze des Monats

Herbst-Krokus (Crocus speciosus)

Es lässt sich nicht mehr leugnen, sogar dieser unendliche Sommer ist vorbei. Die Pflanzen bäumen sich ein letztes Mal mit flammendem Laub gegen Kälte und Dunkelheit auf, Früchte werden prall und weich, alles verblüht, verwelkt, vergeht…

Fast alles, denn plötzlich sind da: Krokusse! Im Herbst! Zerbrechliche Stiele schieben blauviolette oder weisse Blüten aus dem Boden. Bei Regen knicken sie oft um, doch die nächsten Knospen sind schon bereit. Bei Sonnenschein öffnen sie sich und zeigen ihre gelben Narbenschenkel, deren schlimmer Name ihrer filigranen Schönheit nicht gerecht wird. Später im Frühling erscheint dann das grasartige Laub - wenigstens hier halten sich diese Krokusse an den üblichen Zeitplan.

Sie stammen aus dem südlichen Kaukasus. Wie auch andere herbstblühenden Zwiebeln und Knollen werden sie schon im Sommer gepflanzt. An den Boden stellen sie keine grossen Ansprüche, aber einen sommertrockenen, warmen Platz hätten sie gern, vorzugsweise leicht halbschattig, und idealerweise zwischen niedrigen Polsterpflanzen. Mit Lavendel 'Hidcote' oder einer anderen herbstblühenden Sorte in der Nähe entsteht eine Kombination, die es blütezeittechnisch nur selten gibt: Krokus mit Lavendelblüten, ganz ohne Bildfälschung!

Pflanze des Monats

Mexikanische Dreimasterblume (Tradescantia pallida)

Hübsch, eher klein und nachmittags oft schon verblüht: Die Blüten der Mexikanischen Dreimasterblume sind nichts für Feierabendgärtner. Aber wen interessiert das schon angesichts der Laubfärbung! An sonnigem Standort zeigt das exotische Gewächs ein eigenartiges Purpurviolett mit grauem Hauch. Die geaderten Hochblätter stehen an den Spitzen waagrecht ab und erfreuen aus der Nähe durch ihre markante Struktur.

Da Blätter oft länger attraktiv sind als Blüten, eignen sich buntlaubige Pflanzen sehr gut für langanhaltende Farbkompositionen. Mit der Mexikanischen Dreimasterblume kann man aus dem Vollen schöpfen: Düster-dramatisch mit dunkellaubiger Süsskartoffel, Colocasia oder roter Gartenmelde, kontrastreich mit orangefarbenen Buntnesseln oder ganz allein vor einer Ziegelmauer oder in türkisfarbener Keramik oder… oder… oder auch… Leider ist die Herrlichkeit nach dem ersten Frost vorbei, man kann aber im Herbst ein paar Stängel in Wasser stellen und später eintopfen, um sie als Zimmerpflanze über den Winter zu retten.

Aber aufgepasst: Dieses exotische Gewächs ist so wenig zurückhaltend wie seine Farbe. Zarte Nachbarpflänzchen werden resolut überrollt. Trockenheit steckt sie weitgehend locker weg. Bodeneigenschaften sind ihr ziemlich egal. In Ländern wie Kuba oder Australien gilt sie inzwischen als invasives Unkraut, verbreitet sich dort munter durch bewurzelnde Bruchstücke und besiedelt rasch grosse Flächen. Ihre Bekämpfung ist schwierig. Deshalb ist ihr Manko, die fehlende Frosthärte, gleichzeitig ein grosses Glück.

Pflanze des Monats

Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria)

Wasser, Wärme, Dünger, und das alles in rauen Mengen – so kann man die Bedürfnisse dieser Pflanze beschreiben. Dazu einen geschützten Standort und je nach Sorte ein stabiles Gestell, um die schweren Früchte tragen zu können. Und dann noch das mühselige Aufpäppeln der Jungpflanzen - lohnt sich das überhaupt?

Es lohnt sich! Der Flaschenkürbis ist eine der ältesten Nutzpflanzen und weltweit in warmen Ländern verbreitet. Er stammt ursprünglich aus Afrika, hat dank seiner schwimmfähigen Früchte vor langer Zeit den Atlantik überquert und wurde in Mittelamerika schon in vorkolumbianischer Zeit angebaut. Auf dem Landweg brachten ihn Menschen vor Jahrtausenden nach Südeuropa, Arabien, Indien bis nach Ostasien und Polynesien. Dabei hat sich aufgrund der vielfältigen Verwendung eine unglaubliche Anzahl Sorten entwickelt. Flaschenkürbisse eignen sich zur Herstellung von vielerlei Gefässen, Geschirr, Musikinstrumenten, Weichteilfutteralen, Löffeln und anderen Dingen des täglichen Gebrauchs. Die jungen, noch unreifen Früchte (botanisch gesehen wären es Beeren…) sind essbar, wenn sie nicht die für Kürbisgewächse typischen Bitterstoffe enthalten. Das gilt übrigens auch für Gurken, Melonen oder Zucchetti: Bittere sind sehr giftig!

Abgesehen davon ist der Flaschenkürbis einfach eine schöne und interessante Pflanze. Er begrünt Klettergerüste, blüht des Nachts weiss und duftend, und seine wohlgeformten Blätter riechen mehr oder weniger angenehm nach Moschus. Doch all dies wird im Spätsommer noch übertroffen von der Schönheit seiner seltsamen Früchte.

Pflanze des Monats

Grauer Bergfenchel (Seseli gummiferum)

Eigentlich ist schon die Schönheit dieses Bergfenchels Grund genug, ihn in die Gärten zu holen. Sein filigranes Blattwerk, die geometrisch aufgebauten Dolden, der Blütenreichtum und die eigenartige Struktur fallen sofort ins Auge. Dazu kommt seine Anspruchslosigkeit: Viel Sonne und gute Drainage. Sand, Lehm, saurer oder kalkhaltiger Boden passen ihm gleichermassen, solange es nicht zu feucht und nährstoffreich ist. Sommerhitze ist kein Problem für ihn, und obwohl er aus warmen Gegenden wie der Ägäis oder der Krim stammt, ist er erstaunlich winterhart, aber nur einmal: Nach der Blüte stirbt er ab, versamt sich aber reichlich.

Als ob all dies nicht genug wäre: Bergfenchel ist (wie alle Doldenblütler) eine Freude für Insekten. Abertausende winziger Blüten wimmeln von Fliegen, Streifenwanzen und Wildbienen, mit etwas Glück tauchen auch Hornissen-Schwebfliegen und Weichkäfer auf oder besser ein. Man könnte stundenlang zusehen… Theoretisch wären die Dolden gute Schnittblumen, aus den Stängeln liesse sich eine Art essbares Gummi herstellen. Aber wer schneidet schon solch eine Pflanze ab!

Im Gegensatz zum trockenen "Bergfenchel" beflügelt die englische  Bezeichnung "Mondkarotte" (Moon Carrot) die Fantasie. Poetische, märchenhafte, vielleicht sogar unheimliche Gedanken entstehen. Das schaffen die wenigsten Pflanzen!