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Pflanze des Monats

Traubendorn
Danae racemosa

Wer den Traubendorn kaufen möchte, sucht meistens lange, da ihn kaum eine Gärtnerei anbietet. Denn die Aussaat dauert ewig, die Teilung ist unergiebig und mühsam. Hat man ihn dann doch irgendwo gefunden, geduldet man sich einige Jahre, bis die Pflanze zur vollen Schönheit herangewachsen ist. Doch es lohnt sich: Glänzendgrünes Laub, elegant überhängender Wuchs und rote Beeren im Herbst – und das über Jahrzehnte!

Hinter dem Namen Danae verbirgt sich eine haarsträubende Geschichte der griechischen Mythologie: Akrisios, dem König von Argos, wurde geweissagt, er werde dereinst durch die Hand seines Enkels sterben. Daraufhin fiel ihm nichts Besseres ein, als seine einzige Tochter Danae einzusperren, auf dass es keinen solchen geben möge. Zeus, Göttervater und grosser Befruchter, drang daraufhin in Form eines goldenen Regens in Danaes   Verlies ein, um sie (wahrscheinlich ungefragt) zu schwängern. Ein Enkel namens Perseus wurde geboren, woraufhin Danae von ihrem liebenden Vater mitsamt Säugling in einer Holztruhe ins Meer geworfen wurde.

Beide wurden von einem Fischer gerettet und lebten auf dessen Insel. Es folgten diverse abenteuerliche Geschichten, welche zu lang und wirr sind, als dass sie hier erzählt werden könnten. Jahre später starb Akrisios an einem Sportanlass durch einen fehlgeleiteten Diskuswurf aus Perseus' Hand. Gute alte Zeit nennt man sowas... Der Traubendorn ist aber trotz allem eine wunderbare Pflanze.

Standort: Im Nordgarten, im "Eichenhügel"

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Pflanze des Monats

Hadernblatt, Zungen-Mäusedorn
Ruscus hypoglossum

«Hier wächst nix! » schallt es durch die Gärten, wenn es um trockenheisse Stellen im Schatten unter Bäumen geht. Wo Rosen, Tulpen, Nelken nur jammern und verwelken, könnte man es mit dem Hadernblatt versuchen. Nach der Pflanzung tut es erstmal keinen Wank, legt aber im Folgejahr zu und später richtig los. Mit seinen kurzen Ausläufern ist es ein zuverlässiger, immergrüner Bodendecker.

Das Hadernblatt stammt aus Südosteuropa und der Türkei. 1543 schrieb der berühmte Arzt und Botaniker Leonhart Fuchs zur «Statt seiner wachsung», «Das Zäpfflinkraut (Hach, welch schöner Name!) wechst in hohen wälden unnd würdt auß dem Ungerland zu uns gebracht unnd in ettlichen gärten gepflantzt.» Seine breiten Blätter sind keine, sondern umgewandelte Stiele. In deren Mitte sitzen im Frühling (und oft schon im Winter) winzige Blüten und im Sommer rote Beeren. Diese aber nur theoretisch, da hier nur weibliche Pflanzen stehen und die Männchen fehlen.

Sieht man genau hin, entdeckt man, dass die kleinen Blüten frech ihre Zungen herausstrecken. Aber keine Angst, sie leiden nicht unter der Blauzungenkrankheit, sie sind vielmehr die Chow Chows unter den Pflanzen. Aber vegan.

Standort: Im Nordgarten, im "Eichenhügel"

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Pflanze des Monats

Geweihbaum
Gymnocladus dioicus

Dieser markante Baum wächst langsam, kann aber im Alter sehr hoch werden. Seine grossen Blätter sind fein gefiedert und spenden lichten Schatten. Sie erscheinen erst spät gegen Ende Mai, was den botanischen Namen, der übersetzt 'Nacktästler' heisst, erklärt. Da der Geweihbaum keine feinen Zweige bildet, wirken die kahlen Triebe geweihähnlich.

Hitzetoleranz, Frosthärte sowie Krankheitsresistenz machen diesen Baum zum Klimahelden. Er hat keine besonderen Ansprüche an den Boden, kann aber mit der Zeit Ausläufer bilden und dadurch lästig werden. Seine auffälligen Früchte enthalten sehr giftige Samen, welche nach gründlichem Rösten essbar sind. In Kentucky wurden sie von den ersten Siedler:innen als Kaffeeersatz verwendet, doch der Geschmack wurde nicht besonders geschätzt.

Der Geweihbaum hat in Nordamerika ein grosses Verbreitungsgebiet, ist aber überall selten. Vor ein paar Jahrtausenden war das noch anders: In Amerika lebten Mastodonten, so etwas wie kompakte Mammuts. Sie frassen seine nahrhaften Hülsen, wobei die harten Samen erst durch die Verdauungssäfte keimfähig gemacht und, in prächtige Düngerhaufen „gepflanzt“, sehr gut gediehen. Seit dem Aussterben der Mastodonten keimen nur noch wenige Samen des Geweihbaums. Damit ist er aus der Zeit gefallen und zählt – wie Avocado und Milchorange – zu den Reliktpflanzen.

Standort: Südwestlich des Restaurants Iris

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Pflanze des Monats

Japan-Aster
Aster ageratoides ‘Ezo Murasaki’

Ohne Krokusblüten wäre hier im Frühling tote Hose, gefolgt von langweiligem Grün im Sommer. Aber im Herbst startet Aster 'Ezo Murasaki' plötzlich durch und begeistert Menschen wie Insekten gleichermassen.

Die späten Blüten dieser hübschen Aster sind relativ frosthart und erscheinen bis in den Spätherbst. Sie wechseln von hellem zu dunklem Blauviolett. In Japan heisst dieser traditionell verwendete Farbton ‘Edo Murasaki’, übersetzt ‘Tokyo-Purpur’. Wahrscheinlich bezieht sich der Name dieser Aster auf diese Farbe und wäre somit falsch geschrieben. Zur allgemeinen Verwirrung trägt eine ähnliche Pflanze bei, eine Schönaster (Kalimeris) 'Edo Murasaki'. Sie blüht in derselben Farbe, aber schon im Frühsommer.

Dieses hübsche Gewächs ist sehr gesund und äusserst durchsetzungsfähig. Mit ihren Ausläufern neigt es zum Wuchern, ist aber längst nicht so raumgreifend wie die berüchtigte Sorte 'Asran'. Unter lockeren Gehölzen, im Halbschatten oder auch an etwas trockeneren Stellen im Garten lässt sie sich gut verwenden. Durch die späte Blüte ist sie wertvoll für Bienen, Schwebfliegen und andere Insekten. Auch in der Vase macht sie eine gute Figur - ein richtiger Tausendsassa!

Standort: Am Waldhain neben der Kübelpflanzenwelt

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Pflanze des Monats

Prärieaster
Symphyotrichum turbinellum

Ein letztes Aufbäumen vor dem Winter, Farbrausch vor dem Untergang, ungeahnte Blütenpracht: Herbstastern! Sie verlangen Dünger, Wasser und einen guten, humosen Gartenboden. Ihre kahlen Füsse sollte man verstecken, gewisse Sorten lümmeln herum und müssen gestützt oder geschnitten werden. Behandelt man sie standesgemäss, danken sie es mit hinreissender Schönheit. Doch Hitze, Trockenheit und andere Zumutungen verwandeln diese Diven in übellaunige Mickerdinger.

Das ist die Stunde der bescheidenen Verwandtschaft - der Prärieaster. Heisse, trockene Sommer machen ihr nichts aus, im Gegenteil: Wird sie zu sehr verwöhnt, verliert sie den grazilen Wuchs und ihre Standfestigkeit. Mit ihren dünnen Trieben wirkt sie sehr zart und bleibt kleiner als die bunten Brätscher. Dafür scheinen die violettblauen Blüten an den drahtigen Stielen über dem Laub zu schweben! Die gelbe Blütenmitte wird nach kurzer Zeit violettrot, was besonders attraktiv wirkt.

Auch bei vielerlei Bestäuberinsekten stösst die Prärieaster auf reges Interesse. Das führt zum einzigen Nachteil dieser wunderbaren Staude: Ihre Sämlinge! Zu Hunderten! Doch wer beim Jäten ein paar von ihnen eintopft, hat nach kurzer Zeit wunderbare Geschenke für alle Verwandten und Bekannten mit sonnigem Garten oder Balkon.

Standort: Im Farbhügel neben dem Pächterhaus Vorder Brüglingen

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Pflanze des Monats

Efeu-Prunkwinde
Ipomoea hederacea

Alle möchten Morning Glory, die Blaue Prunkwinde, im Garten haben. Doch spätestens beim Apéro, wenn sie von Freunden und Familie bewundert werden soll, dämmert es einem: Ihren Namen hat sie nicht von ungefähr – spätestens am Mittag sind die hinreissenden Blüten verschrumpelt. Es soll schon Nachtschwärmer gegeben haben, die ihre Pflanze nie haben blühen sehen.

Etwas spätaufsteherfreundlicher ist die nah verwandte Efeu-Prunkwinde (nicht zu verwechseln mit der Efeublättrigen Prunkwinde mit kleinen roten Blüten). Ihr zart behaartes Laub ist zumeist dreilappig, was sehr attraktiv wirkt. Theoretisch wird sie bis zu vier Meter hoch, aber wie sie kann auch höher. Ihre Blüten halten bis weit in den Nachmittag hinein. Ursprünglich blüht diese Prunkwinde hellblau, doch inzwischen gibt es verschiedene Farben im Handel.

Um zur Höchstform aufzulaufen, wünscht sich dieses leider nur einjährige Gewächs alles und davon gerne noch mehr: Wasser, Wärme, Nährstoffe, Sonne und gute Erde. Sie ist selten zu bekommen, aber mit Glück findet man die Samen im Handel. Die Anzucht ist einfach: Im März auf der Fensterbank vorziehen, sehr verwöhnen und Mitte Mai auspflanzen. Der Rest ist Freude (und giessen).

Standort: Bei den Gewächshäusern

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Pflanze des Monats

Bündner Oberländer Schaf
Ovis orientalis aries 'Bündner Oberländer'

Sowohl im Gebirge wie auch im Flachland kommt das Bündner Oberländer Schaf vor. Seine Wurzeln reichen tief in graue Vorzeit, bis hinunter zum Torfschaf. Daher zählt man es zu den Tiefwurzlern. Es gedeiht aber nicht nur auf Torf, sondern auf fast allen Böden, auch an kargen Orten.

Das Bündner Oberländer Schaf ist zweihäusig. Weibliche Exemplare enthalten zeitweise ungiftigen Milchsaft. Es werden meist nur zwei, dafür aber erstaunlich grosse Sämlinge gebildet. Die wolligen Auswüchse der Pflanze werden zu Textilien verarbeitet. Breitbuschiger Wuchs, dichtwollige Oberfläche und hohe Farbvariabilität machen es zu einer Zierde in jedem Garten, wo sich die Kombination leider oftmals als schwierig erweist: Als Vollparasit ernährt sich dieses Gewächs von verschiedenen Wirtspflanzen. Deshalb bildet es kein eigenes Blattgrün, was zu der für Pflanzen eher untypischen Färbung führt.

Neueste Forschungsergebnisse auf molekularer Ebene lassen vermuten, dass die Gattung Ovis irrtümlicherweise zu den Pflanzen gestellt wurde. Eine Zugehörigkeit zu den Pilzen wird diskutiert, doch die eher pilzuntypischen Geräusche dieses Schafs sprechen dagegen.

Standort: Wechselnde Wiesenflächen in den Merian Gärten

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Pflanze des Monats

Wurmfarn
Dryopteris filix-mas

Frühsommer! Alles blüht. Alles? Nein! Eine unbeugsame Gruppe uralter Pflanzen hört nicht auf, dem Blütenwahn Widerstand zu leisten: Farne existierten schon viele Jahrmillionen vor den Samenpflanzen und sind bisher immer gut gefahren ohne solch neumodisches Zeug wie Düfte, Fruchtknoten, oder - Gott behüte! - farbige Blütenblätter. Ihre Sporen machen optisch nicht viel her, funktionieren aber immer noch zuverlässig und wirken nicht so protzig wie dieses bunt blühende Flatterzeug. Und dann noch dieses Trara mit den Insekten… ekelhaft!

Auch ohne farbige Anhängsel sind Farne faszinierende Lebewesen mit filigranen Wedeln und spiralförmigem Austrieb. Je nach Art wachsen sie im Schatten, auf Bäumen, in alten Mauern; sie sind genügsam und ausdauernd. Der Wurmfarn kann Jahrhunderte alt werden. In den alten Rhizomen und Blattstielen speichert er Wasser und Nährstoffe und erträgt deshalb auch trockene Zeiten. Er enthält Acylphloroglucinole, welche so giftig sind wie sie tönen. Traditionell wurde der Wurmfarn gegen Würmer verwendet. Gelegentlich hiess es danach: «Erst stirbt der Wurm, dann stirbt der Mensch». Inzwischen gibt es Besseres.

In der guten alten Zeit wurden Farnsamen teuer gehandelt. Sie schützten vor Verletzungen durch Waffen, machten unsichtbar und halfen, verborgene Schätze aufzuspüren. Ein Jammer, dass es sie gar nicht gibt!

Standort: Englischer Garten, am Waldrand

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Pflanze des Monats

ÄSTIGER AFFODILL
Asphodelus ramosus

Infolge des Klimawandels wird Mittelmeerstimmung im eigenen Garten immer beliebter. Überall spriessen Rosmarin, Lavendel, Salbei und Hanfpalme (die eigentlich aus China stammt). Aber niemand pflanzt Affodill! Dabei ist diese Pflanze im Weinbauklima äusserst langlebig, kommt mit steinigen Böden zurecht und blüht wunderschön. Im Sommer stirbt sie oberirdisch ab und hält somit grosse Hitze und Trockenheit aus.

Im Vergleich zum etwas bekannteren Weissen Affodill ist der Ästige Affodill höher, hat verzweigte Blütenstände und etwas hellere Knospen. Er ist im gesamten Mittelmeergebiet verbreitet. Obwohl das Gewächs als leicht giftig gilt, wurden seine Wurzelknollen im Altertum gegessen, und das nicht nur in Notzeiten.

Das Jenseits der griechischen Mythologie bestand aus dem Elysium, der Insel der Seeligen für alle, welche ein untadeliges Leben geführt hatten, und dem Tartaros, wo die ganz Bösen landeten. Alle andern hausten als Schatten im Asphodeliengrund, einer mit Affodil bewachsenen Wiese in der Unterwelt. Eine wunderbare Vorstellung!

Standort: Farbhügel, Nordgarten

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Pflanze des Monats

Palisaden-Wolfsmilch
Euphorbia characias ssp. wulfenii

Wer sich in der Nordwestschweiz nach mediterraner Stimmung sehnt, braucht die Palisaden-Wolfsmilch. Sie kommt im gesamten nördlichen Mittelmeergebiet vor. Ihre graugrünen, säulenartigen Triebe alleine wirken schon sehr beeindruckend. Öffnen sich dann im Frühling die grünlichgelben Blütenstände, gibt es kein Halten mehr: «Will haben. Muss kaufen. Subito!»

Hat man sie endlich ergattert, stellt sich die Frage nach dem Wohin. Das Gewächs braucht Sonne, Wärme, durchlässigen Boden und etwa einen Quadratmeter Platz, um seine Schönheit zu entfalten, sie verträgt grosse Trockenheit und Hitze. Am passenden Standort entwickelt sich diese prächtige Pflanze fast von selbst. Die einzige Pflege besteht im Rückschnitt der alten Triebe direkt nach der Blüte. Der Milchsaft ist stark hautreizend, er darf vor allem nicht in die Augen gelangen, deshalb empfehlen sich lange Ärmel, Handschuhe und eine Schutzbrille. Lässt man gelegentlich einen abgeblühten Stängel stehen, tauchen die Nachkommen an unerwarteten Orten auf, da die Samen von Ameisen verteilt werden.

Vor fast zweitausend Jahren schrieb Plinius der Ältere in seiner ‘Naturgeschichte’, der Milchsaft dieser Wolfsmilch eigne sich als Geheimtinte: Das Geschriebene wird erst durch Erhitzen sichtbar. Doch bevor Sie jetzt Ihre Pflanze anzapfen: Geheimschrift geht auch mit ungiftigem Zitronensaft.

Standort: Eichenhügel, Nordgarten